Info für Ärzte:

  Schilddrüsenpraxis Nuklearmedizin Schilddrüsenkrankheiten Dr. med. Wolfgang Braun Augsburg  

Nachfolgend möchte ich wieder einige Punkte ansprechen, die mir aus der Arbeit der letzten Monate wichtig und erwähnenswert erscheinen.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

das Jahr 2008 bringt für niedergelassene Kassenärzte wieder einige Änderungen mit sich, deren Auswirkungen noch gar nicht ganz abzusehen sind.

 

Ich meine, dass gerade in der jetzigen Situation die solidarische Zusammenarbeit zwischen Allgemeinärzten bzw. hausärztlichen Internisten und niedergelassenen Fachärzten besonders wichtig ist

 

Ich begrüße es sehr, dass eine zunehmende Zahl von Allgemeinärzten und hausärztlichen Internisten die Sonographie der Schilddrüse durchführt. Dadurch werden zahlreiche Knoten entdeckt, die zuvor unbekannt waren. Es ist sehr zu bedauern, dass durch die vorgesehene Pauschalierung diese Leistung an Attraktivität verliert.

 

Frau PD Dr. Christine Spitzweg von der Medizinischen Klinik Großhadern der LMU erinnerte kürzlich bei einer Fortbildungsveranstaltung im Bamberger-Haus in München daran, dass laut den Leitlinien jeder Schilddrüsenknoten ab einem Durchmesser von 1 cm nuklearmedizinisch abgeklärt werden soll.

 

Vor einiger Zeit habe ich mich entschlossen, mich ganz auf die Schilddrüsenerkrankungen zu konzentrieren und biete eine komplette Abklärung aller Schilddrüsenerkrankungen mit Szintigraphie, Sonographie, komplettem Schilddrüsenlabor und Feinnadelpunktion der Schilddrüse an.

 

Ein besonderer Schwerpunkt ist das Calcitoninscreening zur Früherkennung des medullären Schilddrüsenkarzinoms; dies hat seinen Niederschlag gefunden in einem Vortrag, den ich im November 2005 auf der Jahrestagung der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie gehalten habe.

 

Sehr engagiert widme ich mich auch Schilddrüsenproblemen in Schwangerschaft und Stillzeit und der Schilddrüsenabklärung bei unerfülltem Kinderwunsch.

Einladung zur Fortbildung:

 

Einen aktuellen Überblick über den neuesten Stand der Diagnostik und Therapie der Schilddrüsenerkrankungen mit Schwerpunkt Abklärung der Knotenstruma werde ich auf Einladung des Schwäbischen Hausärztevereins im Rahmen eines Vortrags am Donnerstag, den 17. April 2008 geben. Die Veranstaltung, die auch einige Fortbildungspunkte bringt, findet statt in Stadtbergen in der Dr.-Frank-Stiftung (Beginn: 20 Uhr).
Hierzu lade ich Sie recht herzlich ein. Auf Ihr zahlreiches Erscheinen freue ich mich sehr! Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit zu ausführlichem Gedankenaustausch.

 

Neu: Es ist geplant, den Vortrag auf DVD aufzunehmen, sodass auch jeder Interessierte die Möglichkeit hat, sich die Fortbildungsinhalte, wann immer er möchte, vor Augen zu führen.

Aus aktuellem Anlass nochmals ein Hinweis zur Suppressionsszintigraphie: In meiner langjährigen Schilddrüsenpraxis hat sich die Suppression mit 200 mcg Levothyroxin über 14 Tage bewährt. Ich werde weiterhin dieses Suppressionsschema empfehlen.

Bioverfügbarkeit von Schilddrüsenhormonpräparaten: Nicht in allen Fällen ist bei einem Wechsel des Schilddrüsenhormonpräparates auf ein wirkstoffgleiches Präparat mit identischer Schilddrüsenhormondosis davon auszugehen, dass die Bioverfügbarkeit gleich bleibt. Dies spielt insbesondere bei Schilddrüsenkarzinompatienten und bei schwerer Hypothyreose eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wenn Sie daher Wert darauf legen, dass Ihre Patientinnen und Patienten ihr bewährtes Markenpräparat bekommen, was letztlich auch die Compliance verbessert und die Zufriedenheit Ihrer Patientinnen und Patienten fördert, denken Sie daran, das „aut-idem-Kreuz“ zu machen.

Schilddrüse und Schwangerschaft: Eine unbehandelte Hypothyreose führt gehäuft zu Aborten.  Deshalb sollte in jedem Falle nach einem Abort eine Schilddrüsenabklärung erfolgen, ebenso bei unerfülltem Kinderwunsch. Insbesondere bei bekannter Autoimmunthyreopathie bitte ich um kurzfristige Kontaktaufnahme mit mir, da sich die Immunitätslage während der Schwangerschaft ändert, häufig auch der Schilddrüsenhormonbedarf und ferner die Frage der Jodversorgung zu klären ist.

 

Es gibt auch Patientinnen, bei denen während einer Schwangerschaft die Schilddrüsenstoffwechsellage rasch kippt infolge eines sogenannten Antikörper-Shifts (kurzzeitiger Wechsel von stimulierenden und blockierenden Antikörpern). Deshalb biete ich allen Kolleginnen und Kollegen, die Schwangere mit Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere Autoimmunthyreopathien, betreuen, eine engmaschige Verlaufskontrolle dieser Patientinnen an.

 
Neu: Um Ihnen auch einen optischen Anreiz zu bieten, füge ich eine Falldarstellung mit Bilddokumentation aus der letzten Zeit an, insbesondere, um Ihnen die Leistungsfähigkeit unserer Schilddrüsenambulanz bei der Abklärung der Knotenstruma zu demonstrieren.

Unser aktueller Kulturtipp:

Jörg Immendorff – Das graphische Werk – Kunsthaus Kaufbeuren (14.03. – 18.05.2007

In der Ausstellung werden bedeutende druckgraphische Zyklen wie „The Rake’s Progress“, „Cafe Deutschland“, „Langer Marsch auf Adler“, „Café de Flore“ und Einzelarbeiten aus fünf Jahrzehnten Schaffenskraft präsentiert. – Der Künstler verstarb am 28. Mai 2007.

Geöffnet: Di-Fr 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr,
Sa/So/Feiertage 11-17 Uhr - Mo geschlossen

Kunsthaus Kaufbeuren, Spitaltor 2, 87600 Kaufbeuren
Tel. 08341/8644

 Auszug aus: 
www.art-in.de/incmeldung1587/joerg-immendorff.html - 24k

An Ostern habe ich zusammen mit meiner Frau und meiner Schwiegermutter die Ausstellung besucht. Ich war sehr beeindruckt, wie der bereits von der amyotrophen Lateralsklerose gezeichnete Künstler seine geballte Energie zusammengenommen hat, um sich noch einmal zu erstaunlichen künstlerischen Leistungen anzutreiben. Ein Triumph des Geistes über die Materie!

Neu: Um Ihnen auch einen optischen Anreiz zu bieten, füge ich die Bilddokumentationen eines interessanten Falles der letzten Zeit an, insbesondere, um Ihnen auch die Leistungsfähigkeit unserer Schilddrüsenambulanz bei der Abklärung der Knotenstruma zu demonstrieren.

Fall 1: 75-jährige Frau, Tc-99m-Pert.-Scan

Fall 1, 75 j. Frau, II

09.11.2007 Feinnadelpunktion (extern, Praxis X in Y-Stadt): Mäßig zellreiches Schilddrüsenpunktat mit lymphatischen Zellelementen, Histiozyten, mehrkernigen Riesenzellen, gering Zelldetritus. Bei entsprechendem klinischen Befund könnte hier eine Thyreoiditis de Quervain vorliegen, sonst wäre eine operative Abklärung empfehlenswert, da es sich auch um Granulationsgewebe in der Randzone eines malignen Tumors handeln könnte.

Fall 1, 75 j. Frau; III (Punktion Dr. Braun)

06.12.2007: 4 Punktate an unterschiedlichen Stellen

1.    wenige Histiozyten, vereinzelt histiozytäre Riesenzellen
2. zahlreiche histiozytäre Riesenzellen, teils vom Typ osteoklastärer Riesenzellen, wenige Lymphozyten, teils aggregierte Histiozyten; mittelgroße bis große Tumorzellen mit zentral gelegenen hyperchromatischen, mäßig polymorphen Zellkernen mit prominenten Nukleolen.
Immunzytochemisch: Expression von pan CK
3. wenige Lymphozyten und Histiozyten, zahlreiche histiozytäre Riesenzellen, ferner die in II. beschriebenen Tumorzellen, die kein Thyreoglobulin exprimieren.
4. zahlreiche histiozytäre Riesenzellen, teils vom Typ osteoklastärer Riesenzellen, darüber hinaus zahlreiche der beschriebenen Karzinomzellen.

Zytologische Beurteilung: I-IV: Das Zellbild entspricht einem anaplastischen Schilddrüsenkarzinom (Riesenzellvariante)

Zusammenfassender Kommentar:
Die Feinnadelpunktion der Schilddrüse, die so einfach aussieht, ist eine höchst anspruchsvolle Methode, die viel Erfahrung, Übung und Know-how voraussetzt. Sie sollte am besten von jemandem ausgeübt werden, der täglich mehrmals punktiert und über sämtliche Möglichkeiten der Diagnostik verfügt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Noch ein Hinweis: wenn Sie bisher unseren regelmäßigen kostenlosen Newsletter noch nicht erhalten, nehmen wir Sie gerne in den Verteiler auf. Die Versendung erfolgt brieflich oder per eMail.

 

„Was mir in letzter Zeit wichtig war”. 
Seit mehr als einem Jahr, genauer gesagt seit der Schilddrüsenaktionswoche im April 2006 führe ich das Abtasten der Schilddrüse, die Palpation, noch bewußter durch und habe dadurch erwartungsgemäß an Sicherheit in der Beurteilung des Tastbefundes erheblich gewonnen: nahezu ausnahmslos finde ich im Ultraschall an der Stelle, wo ich einen Knoten getastet habe, auch einen Herdbefund. Dies erlaubt es mir, die Sonographie noch systematischer und gezielter durchzuführen. Ich kann nur allen Kolleginnen und Kollegen empfehlen, die Palpation der Halsorgane, insbesondere der Schilddrüse, ganz akribisch durchzuführen: es lohnt sich!

TOP 1: ein Dalrymple´ sches Phänomen (erweiterte Lidspalte) kann auch bei euthyreoter Stoffwechsellage im Rahmen einer Autoimmun-thyreoiditis auftreten und sollte dann mit der Fragestellung einer endokrinen Orbitopathie der Anlaß für eine entsprechende Schilddrüsenabklärung und gegebenenfalls eine ophthalmologi-sche Konsiliaruntersuchung sein.

 

TOP 2: kurze Systematik der Schilddrüsenentzündungen: 1. akute Thyreoiditis (extrem selten, hochakutes, fast septisches Krank-heitsbild mit Rötung, Schwellung und Schmerz in der Schilddrü-senregion. Das Szintigramm zeigt kalte Areale, die Sonographie unscharf begrenzte echoarme, bei zystischnekrotischer Einschmel-zung echofreie Strukturen. Beweisend ist die Feinnadelpunktion. 2. akut-subakute Thyreoiditis de Quervain (eher selten, Häufung im Frühjahr und im Herbst im Anschluß an einen Infekt der oberen Atemwege; geht mit heftigen Schmerzen und derbem Lokalbefund einher. Im Szintigramm finden sich rückbildungsfä-hige kalte Knoten oder ein insgesamt herabgesetzter globaler Technetium-Uptake, sonographisches Bild ähnlich wie bei der akuten Thyreoiditis. Achtung: die Schilddrüsenantikörper sind in der Regel normal, können aber niedrig erhöht sein. Leitbefund im Labor: Sturzsenkung, manchmal über 100 mm in der ersten Stunde. 3. Autoimmunthyreoiditis: wird häufig erkannt durch erhöhte basale TSH-Spiegel, die Anlaß geben zu einer Sono-graphie (charakteristisch ist eine diffuse Echoarmut) und zur Bestimmung von Anti-TPO. Klinisch beginnt die Erkrankung schleichend. Hinweissymptome können Müdigkeit, Zyklusstörun-gen, unerfüllter Kinderwunsch und Haarausfall sein. (Zu 90 Pro-zent sind Frauen betroffen!)

 

TOP 3: Resektionsausmaß bei disseminierter Autonomie und bei Morbus Basedow: es sollte ein Schilddrüsenrest von zwei bis maximal vier Gramm übrigbleiben nach Hemithyreoidektomie und kontralate-raler weitgehender subtotaler Resektion oder ausgedehnter beidseitiger Lappenresektion. Aktueller Fall, ca. 200 Kilometer entfernt wohnend aufgrund telefonischer Konsultation: 24jährige Basedow-Patientin; nach 3jähriger thyreostatischer Therapie keine Remission. Die Operation hinterließ einen Schilddrüsenrest von ca. 14 ml. Wegen persistierender Hyperthyreose besteht nun die Indikation zur Radiojodtherapie. (Untere Altersgrenze für die Radiojodtherapie der Schilddrüsenautonomie und des Morbus Basedow: 20 Jahre). Kommentar des praktizierenden Nuklearmedizi-ners: hier hätte man zweckmäßigerweise gleich die Radiojodtherapie durchführen sollen. Ein genetisches Risiko besteht bei der Patientin nicht, so daß dem Kinderwunsch nichts im Wege steht.

 

TOP 4: Ziel TSH bei Schilddrüsenhormonbehandlung: bei der konservativen Strumabehandlung sollte der basale TSH-Spiegel im unteren Normbereich sein (ca. 0,3–0,8), aber nicht völlig sup-primiert. Ein völlig supprimierter basaler TSH-Spiegel ist nur noch bei den differenzierten Schilddrüsenkarzinomen erforderlich.

 

TOP 5: Die Feinnadelpunktion der Schilddrüse hat sich als sehr sensitives und insbesondere bei den papillären, medullären und anaplastischen Schilddrüsenkarzinomen außerordentlich spezifi-sches Verfahren bewährt. Sie sollte gezielt eingesetzt werden. Der Feinnadelpunktion der Schilddrüse sollte zur Selektion der Patien-tin eine Schilddrüsenszintigraphie vorgeschaltet werden. Die Kom-bination von szintigraphisch kalten Knoten und Echoarmut im Ultraschall erhöht das Karzinomrisiko um das Dreifache gegen-über dem Vorliegen nur eines der beiden Merkmale. Auch zur Differenzierung der Thyreoiditiden ist die Methode geeignet.

 

Folgender Fall mag Sie zum Nachdenken anregen: Eine 55-jährige Lehrerin nahm seit Jahren Betablocker ein wegen Herzrhythmus-störungen. In der Schilddrüsenszintigraphie zeigte sich ein autonomes Adenom mit deutlich erhöhtem globalem Techne-tium-Uptake, somit war ein ernst zu nehmendes potentielles Hyperthyreoserisiko vorhanden. Die am Tag nach der Schilddrüsenszintigraphie durchgeführte Herzkatheteruntersu-chung wurde unter einer thyreostatischen Schutzmedikation mit Thiamazol und Irenat durchgeführt. Dennoch kam es zu einer massiven Hyperthyreose mit erheblichen thromboembolischen Komplikationen. Die daraufhin erfolge Antikoagulation führte zu einer Massenblutung im Gehirn. Der erforderliche neurochirur-gische Eingriff hinterließ eine Hemiparese mit Aphasie.

 

Schlussfolgerung: Bei Herzrhythmusstörungen sollte frühzeitig (insbesondere vor einer Jodexposition) eine nuklearmedizinische Schilddrüsenabklärung erfolgen. 30 % der Autonomien entgehen dem labormäßigen Nachweis. Die Schilddrüsenszintigraphie (ggf. auch unter Suppressionsbedingungen) ist, wie zahlreiche Autoren nachgewiesen haben, erheblich sensitiver als die Bestimmung des basalen TSH-Spiegels.

 

Nicht nur bei der Autonomie der Schilddrüse, auch bei den Autoimmunthyreopathien können Herzrhythmusstörungen auftre-ten. Ihnen allen bekannt ist dies beim Morbus Basedow. Weniger bekannt ist, dass es auch bei einer Autoimmunthyreoiditis, unabhängig von der labormäßig fassbaren Stoffwechsellage, zu rezidivierenden tachykarden Episoden kommen kann. (Mit dieser Fragestellung wurde ich in den letzten Wochen mehrfach konfrontiert). Erklärbar ist dies durch Freisetzung präformierter Schilddrüsenhormone infolge zytotoxischer Antikörper. Thera-peutisch ist dieses Problem mitunter schwer zu beeinflussen. Falls Betablocker nicht ausreichend wirksam sind, ist als ultima ratio eine großzügige subtotale Lobektomie beidseits zu empfehlen unter der Vorstellung, das Zielgewebe für die uner-wünschten Autoimmunprozesse weitgehend zu eliminieren. In einem schon länger zurückliegenden Fall führte diese Maßnahme zur vollständigen Beseitigung der zuvor sehr lästigen Herzrhyth-musstörungen.

 

Noch einige Bemerkungen zum Thema Schilddrüse und Auge: Eine jüngst in der Fachzeitschrift Ophtalmology veröffentlichte Fallkontrollstudie ergab, dass Patienten mit einer Hypothyreose signifikant häufiger ein Offenwinkelglaukom entwickeln als Kontrollpersonen. Ich empfehle deshalb bei Patienten mit Offenwinkelglaukom eine Schilddrüsenabklärung durchzuführen.

 

Inzwischen wurden in Zusammenarbeit mit der Praxis für Strahlentherapie in Augsburg-Nord einige Patientinnen mit endokriner Orbitopathie erfolgreich behandelt. Sowohl das funktionelle als auch das kosmetische Ergebnis war dabei in allen Fällen außerordentlich zufrieden

stellend. Es zeigte sich auch, dass eine auch nur leichte Hypothyreose sich sofort in einer Zunahme der äußerlich feststellbaren Augenzeichen (insbesondere Weichteilschwellun-gen) bemerkbar macht. Deshalb ist die Grundregel bei der Therapie der endokrinen Orbitopathie nach wie vor die subtile optimale Einstellung es Schilddrüsenstoffwechsels.

 

In unserer speziellen Kindersprechstunde für Schilddrüsenerkran-kungen im Kindes- und Jugendalter zeigt sich, dass die Autoimmunthyreoiditiden zahlenmäßig überwiegen. Schilddrü-senknoten im Kindes- und Jugendalter müssen immer exakt abgeklärt werden einschließlich Schilddrüsenszintigraphie mit niedrigerer Dosis von Radiopertechnetat sowie Feinnadelpunk-tion, da in dieser Altersgruppe die Malignomhäufigkeit in Schilddrüsenknoten deutlich höher ist als im mittleren Lebensalter. Nach einer Studie aus den USA sind auch autonome Adenome bei unter 20-jährigen nicht selten.

Eine interessante Mitteilung aus dem Qualitätszirkel Nuklearme-dizin und Schilddrüse: in der Altersgruppe der 15-20jährigen sind Schilddrüsenkarzinome die häufigsten bösartigen Erkrankungen, so daß jeder Schilddrüsenknoten auch bei Jugendlichen exakt (u.a. auch mit Schilddrüsensono- und Szintigraphie sowie Fein-nadelpunktion) abgeklärt werden sollte.

 

Außer bei medullären Schilddrüsenkarzinom gibt es, was weniger bekannt ist, auch beim papillären Schilddrüsenkarzinom eine familiäre Variante, die eine signifikant schlechtere Prognose hat als die sporadisch auftretende Form. In diese Gruppe gehört u.a. das Gardner-Syndrom, das mit familiärer adenomatöser Polypose einhergeht und das seltenere Cowden-Syndrom mit multiplen Hä-matomen, fibrozystischer Brust- Erkrankung und Brustkrebs.

 

Eine Anmerkung zur Wiederholung der Feinnadelpunktion: nach einer Studie aus der Mayo-Klinik ergaben sich nach einer Wiederholungspunktion häufig abklärungsbedürftige oder auch maligne Befunde, wenn die Erstpunktion entweder nur Kolloid oder anderweitig kein repräsentatives Zellmaterial aus der Schilddrüse ergeben hatte. Deshalb sollte die Punktion in solchen Fällen kurzfristig nochmals durchgeführt werden.

 

Bei der Retrobulbärbestrahlung einer endokrinen Orbitopathie zeichnet sich ein Trend zu einem Niedrig-Dosis-Konzept ab. Dieses hat sich noch nicht allgemein durchgesetzt. Wir werden deshalb das bisher übliche Vorgehen beibehalten, bis größere Erfahrungen mit der neuen Behandlungsstrategie vorliegen.

 

Zinkmangel und Schilddrüse: durch die Untersuchungen von Prof. Hampel, Rostock an über 5000 männlichen und weiblichen Probanten aller Altersgruppen, ist seit einiger Zeit bekannt, daß in der Bundesrepublik Deutschlang außer dem Jodmangel auch tendenziell eine Unterversorgung mit dem Spurenelement Zink zu Schilddrüsenproblemen führen kann: ca. ein Drittel der untersuch-ten Personen hatte im untersten Normbereich liegende oder eindeutig erniedrigte Serumzinkspiegel. (Eine klinische Manife-station kann z. B. Haarausfall sein). Gerade in letzter Zeit konnte ich bei einigen Patientinnen mit Autoimmunthyreoiditis, die über Haarausfall klagten, einen manifesten Zinkmangel mit eindeutig erniedrigten Serumspiegeln oder einen latenten Zinkmangel mit Werten im untersten Normbereich nachweisen. Bewährt hat sich in dieser Situation die Gabe von 40 mg Zinkorotat POS über 6 bis 8 Wochen. In einigen Fällen konnte dadurch, natürlich eine opti-male Einstellung des Schilddrüsenstoffwechsels vorausgesetzt, eine Besserung dieses gerade für Frauen lästigen Symptoms er-reicht werden.

 

Zum Abschluß ein Frauenthema: bei unerfülltem Kinderwunsch finden sich in zahlreichen Fällen Funktionsstörungen der Schilddrüse. Ich empfehle daher, bereits frühzeitig bei Fertilitätsstörungen eine subtile Schilddrüsenabklärung durchzuführen.

 

„Seid alle oinig ond standet z´amm!“ (auf Hochdeutsch: „Seid alle einig und steht zusammen!“) steht auf dem Maibaum in dem kleinen Ort in der Umgebung Augsburgs, in dem ich wohne. Dies möchte ich Ihnen allen als Motto zurufen in der in letzter Zeit hitziger gewordenen gesundheitspolitischen Auseinandersetzung. Eine Blockbildung nutzt nur unseren Gegnern und schadet uns.

 

Eine Forderung, die immer stärker geworden ist und der Sie sich, glaube ich alle ohne Ausnahme anschließen können, ist diejenige nach einem festen Punktwert von 5,11 Eurocent für alle kassenärztlichen Leistungen. Wenn dies so organisiert würde, daß die Kassen als Verrechnungsstelle fungieren, wie dies bei den privatärztlichen Verrechnungsstellen üblich ist und bestens funktioniert (in der Privatwirtschaft als Factoring oder Forderungs-ankauf bekannt), dann sind wir auch das Ausfallsrisiko los, denn die Krankenkassenbeiträge sind ja vollstreckbar, um die Bezah-lung kommt keiner rum. Dies wäre für uns alle eine feine Sache. Ich meine, daß die Honorarverteilungsmaßstäbe mit ihren Unwägbarkeiten, auf die der einzelne keinen direkten Einfluss hat, eine betriebswirtschaftliche Kalkulation völlig unmöglich machen.

 

Wenn Sie vorhaben, an der zentralen Ärztedemonstration in Berlin am Freitag, dem 24. März 06 teilzunehmen, finden Sie alles Wissenswerte (einschließlich Links zu Flug- , Bahn- und Busverbin-dungen unter http://www.freie-aerzteschaft.de

 

Zurück zur Schilddrüse:

 

Die Erfahrungen aus einem Jahr Retrobulbärbestrahlung nach dem Augsburger Modell zeigen, daß Beschwerden wie vermehrter Tränenfluß, lästiger Kopfdruck bzw. Kopfschmerzen, Lidschwellun-gen in allen Fällen sehr gut gebessert werden konnten, während die zuvor angewandten lokalen Maßnahmen (diverse Tropfen etc.) weitgehend unwirksam gewesen waren. Bei einigen Patientinnen hat sich auch die Protrusio und teilweise die Doppelbilder zurück-gebildet.

 

Leider stellte sich heraus, daß in meinem Krankengut die Patientinnen mit endokriner Orbitopathie nahezu ausnahmslos Zigarettenraucherinnen sind: bekanntlich wirkt Zigarettenrauchen ungünstig immunmodulierend.

 

Noch wenig aus den engeren Fachkreisen herausgedrungen ist die Erkenntnis, daß auch eine leichte Hypothyreose bereits zu einer signifikanten Erhöhung von Homocystein führt, was wiederum einen unabhängigen Risikofaktor für eine Atherogenese  darstellt. Dieser Parameter kann im Einzelfall eine Entscheidungshilfe für die Indikationsstellung zu einer Schilddrüsenhormontherapie dar-stellen, wenn das basale TSH nur leicht oder grenzwertig erhöht ist.

 

Ein wichtiger Punkt auf dem Schilddrüsensymposion der Firma Sanofi (vormals Henning Berlin) im Oktober 2005 war, daß die Hypothyreose die häufigste behandelbare Ursache einer Demenz darstellt. Deshalb sollte bei geriatrischen Patienten, wenn sich die intellektuelle Leistung vermindert, obligat TSH basal bestimmt werden. (Illustriert wird dies durch den spontanen Ausruf einer älteren Dame nach adäquater Einstellung der Hypothyreose: „Jetzt kann ich ja auf einmal wieder denken!“)

 

Amiodarone und Schilddrüse: in unserem Jodmangelgebiet ist die häufigste durch Amiodarone ausgelöste Schilddrüsenfunktions-störung die jodinduzierte Hyperthyreose. Typische Laborkon-stellation: T4 (bzw. FT4) hoch, T3 bzw. FT3 eher niedrig durch eine (teleologisch sinnvolle) Hemmung der peripheren Konversion von T4 nach T3, erniedrigter globaler Technetiumuptake, erhöhte Jodausscheidung im Urin.

 

Meine Empfehlung: bitte ausführliche nuklearmedizinische Schilddrüsenabklärung vor geplanter Amiodaronetherapie veran-lassen.